2. Moderne Operationsverfahren
Als heutige Referenzmethode gilt die TPLO, die das am meisten untersuchte orthopädische Operationsverfahren der letzten Jahre ist. Daneben hat sich in den letzten Jahren zunehmend die Tta etabliert. Beide Methoden stabilisieren das Kniegelenk aktiv, indem die einwirkenden biomechanischen Kräfte geändert werden.
Beide Methoden sind exzellent geeignet, das Kniegelenk nach einem Kreuzbandriss wieder dauerhaft belastbar zu machen. Es ist heute durch diese Verfahren möglich, den Arthrosefortschritt auf ein Minimum zu begrenzen und die Hunde selbst im Sport wieder uneingeschränkt einzusetzen.
Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile, keine Technik ist der anderen generell überlegen. Wir bieten als eine von wenigen Kliniken in Deutschland beide Methoden parallel an, so dass wir für jeden Einzelfall entscheiden, ob sich bei Ihrem Hund die TPLO oder die TTA besser eignet. Dadurch können wir eine optimale Versorgung unserer Patienten garantieren.
Die TPLO
Bis vor wenigen Jahren existierte kein Operationsverfahren, das verlässlich zu guten klinischen Ergebnissen führte. Methoden, die beim Menschen mit Erfolg angewendet werden, bringen beim Hund keine vergleichbaren Resultate, da sich die Biomechanik (Bewegungsart) stark unterscheidet.
Bei bisherigen Operationsmethoden wurden die gerissenen Kreuzbandreste entfernt, die Menisken kontrolliert und bei Beschädigung teilweise oder vollständig entfernt sowie das Gelenk durch unterschiedlichste Methoden wieder stabilisiert. Die ursprüngliche Festigkeit wurde jedoch mit keiner Methode erreicht, so dass eine zwar verlangsamte, aber kontinuierlich fortschreitende Schädigung des Gelenks entstand.
Das heutige Referenzverfahren zur Operation des Kreuzbandrisses beim Hund ist die TPLO ("Tibial Plateau Leveling Osteotomy"), ein in den USA entwickeltes und lange patentiertes Verfahren, das sich völlig von den bisherigen Methoden unterscheidet.
Der Grundgedanke der TPLO ist die Neutralisation des Vorwärtsschubes des Unterschenkels bei Belastung. Indem diese Kraft aufgehoben wird, verliert das vordere Kreuzband seine Funktion, so dass eine "Reparatur" des gerissenen Bandes nicht mehr notwendig ist.
Abb. 3: Der schräge Abhang stellt grafisch die Gelenkfläche des Unterschenkels dar, während der Wagen der Gelenkfläche des Oberschenkels entspricht. Das Seil (F), das den Wagen am Herunterrollen hindert, stellt bildlich das vordere Kreuzband dar. Je steiler der Abhang ist, desto stärker wird das Seil (entspr. dem vorderen Kreuzband) unter Spannung gesetzt. Die dauerhaft starke Belastung kann zur Schädigung und schließlich zum Riss des Bands führen.
Die Steilheit der Unterschenkelgelenkfläche bestimmt die Kraft, mit der der Unterschenkel bei Belastung nach vorne gedrückt wird. Viele Hunde haben eine sehr steile Gelenkfläche, wodurch das Kreuzband starker Dauerbelastung ausgesetzt wird.
Man geht heute davon aus, dass diese dauerhafte Überlastung ein wesentlicher Faktor ist, der letztendlich zum Riss des Bandes führt.
Der Schlüssel des Behandlungserfolgs scheint nach heutigem Wissen in der Beseitigung des Vorwärtsschubs zu liegen. Dafür wird nach einem komplizierten Verfahren anhand von verschiedenen Röntgenbildern die Differenz zwischen optimalem und bestehendem Fehlwinkel sowie der Korrekturwinkel ausgemessen und errechnet. Zur Korrektur wird mit einer speziellen Säge die Gelenkfläche vom Unterschenkel abgetrennt und um den errechneten Korrekturwinkel in den biomechanisch optimalen Winkel gedreht. Anschließend wird die Gelenkfläche durch eine Plattenosteosynthese -vergleichbar mit der Behandlung eines Knochenbruchs- wieder am Unterschenkel befestigt. Dabei verwenden wir heute fast ausschließlich Verriegelungsplatten der Firma Synthes. Plattensystemen, neue Implantatsysteme, TPLO Platten (Mitte)
Abb. 4: Links ist eine sehr steil gewinkelte Unterschenkelgelenkfläche dargestellt. Der rote Winkel entspricht der Steilheit des Gelenks.
In der Mitte ist eine TPLO mit 2,7 mm Verriegelungsplatte und 2-Plattentechnik dargestellt. Das Schwenkprinzip der TPLO ist in der Grafik darunter gezeigt.
Rechts ist eine TPLO mit der am häufigsten gebrauchten 3.5 mm Verriegelungsplatte dargestellt.
Was folgt nach der Operation ?
Bei der konventionellen Operation muss der Körper innerhalb der ersten 12 Wochen eine stabile Narbe um das Gelenk bilden, die letztendlich zur Festigkeit führt. Als Folge des Kreuzbandrisses muss in der Folge mit einer deutlichen Arthrosezunahme gerechnet werden.
Patienten nach TPLO müssen ebenfalls über etwa 12 Wochen an der Leine gehalten werden, damit der Knochen stabil verheilen kann. Die Lahmheit bessert sich jedoch deutlich schneller als bei konventionellen Methoden.
Heute legen wir viel Wert auf eine frühe Belastung des Beins, um Muskelabbau und Vernarbungen zu vermeiden. Die Hunde dürfen nach unserem Bewegungsplan bereits in der 3. Woche 20 Minuten und in der 5. Woche nach der OP etwa 30 Minuten laufen.
Die Hunde laufen in fast allen Fällen zuverlässig gut und können auch starke Belastungen des Gelenks ohne folgende Lahmheit durchführen. Die Zunahme von Arthrosen ist stark reduziert, häufig bleibt das Gelenk arthrosefrei oder verschlechtert sich minimal. Dies entspricht einer hervorragenden Langzeitprognose.
Die TPLO war ein lange patentiertes Verfahren und durfte nur nach speziellen Kursen durchgeführt werden. Da sie sehr kompliziert ist, wird sie von relativ wenigen Tierärzten angeboten.
Wir sind eine nach Slocum zertifizierte und zugelassene Klinik und wenden diese Methode seit 2004 an.
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